Die Kritiker

«Solo für Weiss - Es ist nicht vorbei»

von   |  2 Kommentare

Seilschaften aus alten DDR-Zeiten und kuriose Morddrohungen prägen den neuen Fall von Nora Weiss: Reichlich unnützes Füllmaterial verhindert jedoch, dass daraus ein guter Krimi wird.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Anna Maria Mühe als Nora Weiss
Jan Krauter als Simon Brandt
Peter Jordan als Jan Geissler
Rainer Bock als Rainer Weiss
Natalia Rudziewicz als Anna Balodis
Katharina Müller-Elmau als Monika Landau
Lisa Bitter als Katrin Wolff

Hinter der Kamera:
Produktion: Network Movie
Drehbuch: Mathias Klaschka
Regie: Judith Kennel
Kamera: Nathalie Wiedemann
Produzentin: Jutta Lieck-Klenke
Nora Weiss (Anna Maria Mühe) vom schleswig-holsteinischen LKA ist bei einem missglückten Zugriff dem Tod nur knapp von der Schippe gesprungen. Das wird in den Büroräumen der Behörde gerade so ausgelassen zelebriert, wie es der Aktenschimmel eben zulässt. Die Feierlichkeiten stört unterdessen Monika Landau (Katharina Müller-Elmau), die dringend eine Vermisstenanzeige aufgeben will und sich partout nicht abwimmeln lassen will. Schließlich sei sie Abgeordnete im Bayerischen Landtag, und wer Bayern kennt, der weiß, dass das Selbstbewusstsein dieses Bundeslands gerne so weit geht, als sei der Rest von Deutschland dem Freistaat Untertan.

Schon am nächsten Morgen wird Landaus Mann tot aufgefunden. Die See hatte seine Leiche an den Strand gespült, ein Segelunfall scheint ob der Wunde an seinem Kopf und seiner Eigenschaft als erfahrener Segler unwahrscheinlich. Und je länger Weiss und ihr Kollege Simon Brandt (Jan Krauter) nachforschen, auf desto mehr Motive für ein Tötungsdelikt stoßen sie. Dass eine Landtagsabgeordnete wie Landau und ihre Familie ständig bedroht werden, dem misst das LKA keine sonderlich große Bedeutung bei. Verdächtiger wirkt da schon die Person Katrin Wolff (Lisa Bitter): Sie war Landau bis in den Norden nachgereist, um ihm dort weiter nachzustellen. Seit Jahren stalkt sie den Mann und selbst unter Ausnutzung aller juristischen Möglichkeiten konnte er sie sich nicht vom Hals halten. Dazu habe ihn ja auch nur seine Frau gedrängt, sagt Wolff.

Doch dann führt der Fall zurück in die düstere Vergangenheit: Der Tote war in den achtziger Jahren aus Mecklenburg-Vorpommern in den Westen geflohen. Und je umfangreicher die Ermittlungen ausfallen, desto größer werden die Logiklöcher dieser Geschichte: Unter seinem Namen ist in den Registern niemand zu finden; seine Identität nach der Flucht war ausgedacht. Und auch Nora Weiss‘ Vater ist ins Blickfeld von Erpressern geraten, die ihm Drohbriefe mit aus Zeitungen ausgeschnittenen Buchstaben oder verstörende Kurznachrichten schicken, in denen er als Verräterschwein beleidigt wird.

„Es ist nicht vorbei“ lässt uns allerdings nur selten ausgiebig und auch dann nur oberflächlich bei den alten Seilschaften und dem obskuren Verrat aus der Endphase der DDR verweilen. Das dramaturgische Blickfeld bleibt eng und folgt den Ermittlerfiguren auch dann noch, wenn sie gerade nichts Wesentliches zum Stoff beitragen können. Einmal stranden sie in einem Landgasthaus, bekabbeln sich über die Speisekarte und Simons alte Spielsucht. Ein dramaturgischer Mehrwert lässt sich in diesem Füllmaterial nicht feststellen.

Der Stoff um alte Wunden und unverzeihbare Sünden hätte durchaus das Zeug zu einem einnehmenden Psychodrama gehabt, zu einer hintergründigen Geschichte und einem intelligenten Film. Doch die Prioritäten liegen in „Es ist nicht vorbei“ auf etwas ganz anderem: auf fernsehfilmhafter Beliebigkeit und anerzählten kleineren Konflikten, die wenig spezifisches Interesse wecken können.

Das ZDF zeigt «Solo für Weiss – Es ist nicht vorbei» am Montag, den 5. März um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/99430
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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
05.03.2018 18:24 Uhr 1
Die ersten 2 Teile waren nicht übel.
Kalinkax
05.03.2018 21:55 Uhr 2
der war auch nicht übel, hat mir gefallen!
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