Die Kritiker

«Leg dich nicht mit Klara an»

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Liebesgeschichte, Stalking, Krimi: Der neue Sat.1-Film will viele Inhalte in einer Story zusammenmischen. Ob zu viele Köche diesen Brei verderben?

Cast und Crew «Leg dich nicht mit Klara an»

Vor der Kamera:
Jennifer Ulrich als Klara Matussek
Edin Hasanovic als Mickey Winter
Marc Benjamin als Jens Keuerleber
Janina Uhse als Susie
Uwe Preuss als Major Immert
Milena Dreißig als Myriam

Hinter der Kamera:
Regie: Mia Spengler
Buch: Markus Staender
Produzent: Joachim Kosack
Producer: Johannes Kunkel
Noch hält sie die Fassade. Aber sobald ihr Freund – beziehungsweise nun Ex-Freund – aus der Tür ist, lernen wir die echte Klara kennen. Die Klara, die auf ihre ganz eigene Art mit dem Trennungsschmerz umgeht.

Rückblende: Ein glücklicheres Leben könnte Klara (Jennifer Ulrich) kaum führen. Ihr Job als BND-Agentin macht ihr Spaß, privat ist sie glücklich mit Jens (Marc Benjamin) zusammen. „Er ist perfekt“, sagt sie zu ihrer Freundin: „Keine Strafanzeigen, keine Geschlechtskrankheiten, seine Mutter wohnt 440 km entfernt.“ Klara will die Beziehung festigen, mit ihm zusammenziehen, ihm ihre uneingeschränkte Liebe gestehen – doch just an diesem Abend macht Jens mit ihr Schluss. Klaras scheinbar perfekte Welt bricht zusammen, von einem auf den anderen Moment. „Habe ich irgendwas falsch gemacht?“, fragt sie sich später. „Habe ich zu viel gearbeitet?“

Genau diese Arbeit, ihr Job als Geheimagentin, ist jetzt Klaras Rettung. Anstatt nach der Trennung in Tränen und Selbstmitleid auszubrechen, schmiedet sie Pläne: Die obsessive Spionin hackt sich in das Leben ihres Ex-Freundes Jens ein, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Methoden: Drohnen, Einwählen in seinen Laptop, öffentliche Überwachungskameras, Abhörgeräte. Klara will ihren Ex zurückerobern, und dazu muss sie tief in sein Leben eintauchen, seine geheimsten Vorlieben ermitteln – und irgendwie seine neue Freundin vergraulen. Das Problem: Bald wird der BND auf die unbefugte Nutzung der Überwachungstools aufmerksam – und vermutet einen Maulwurf in den eigenen Reihen. Nun muss sich Klara nicht mehr nur vor Jens tarnen, sondern auch vor ihrem eigenen Arbeitgeber.

So entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, das sich klischeehafter kaum darstellen könnte: Der simple Mann (= Maus) soll mit seinen eigenen Mitteln geschlagen werden und in die Falle der Frau (= Katze) gehen. Im Fall von Jens und Klara heißt das: Sie findet heraus, dass er auf flauschige Kleidungsstoffe steht und versucht ihn daraufhin, mit allen möglichen Pelz-Derivaten und Filzstickern anzulocken. Um solche Szenen als ironisch zu verstehen, sind sie nicht überzeichnet genug. Ernst kann man sie auch kaum nehmen. Bleibt nur, dass die Drehbuchautoren wohl hier tatsächlich glaubten, man sei hier witzig.

Die unkonventionelle Rückeroberungs-Geschichte zieht sich für den Rest des Films; immer wieder forciert Klara scheinbar zufällige Begegnungen mit Jens. Ihre Fixiertheit und Selbst-Demütigung erkennt sie selbst dann nicht, als ihre Freunde sie darauf ansprechen. Insofern fehlt dem Sat.1-Film sehr lange eine charakterliche Entwicklung – und damit auch ein Spannungsbogen. Diese Probleme vermengen sich zu dem Eindruck, den der Film schon früh erweckt: Bei «Leg dich nicht mit Klara an» handelt es sich um eine simple, anspruchslose RomCom, die Klischees und Humor größtenteils verwechselt.

Immerhin liefern die Schauspieler einen starken, spielfreudigen Job ab, darunter Hauptdarstellerin Jennifer Ulrich. Die Dialoge werden wunderbar authentisch vorgetragen, das Timing – auch wenn ein Witz inhaltlich versagt – funktioniert. Musikalische Untermalung und Regie schaffen eine stimmige Atmosphäre; teils wird mit eingeblendeten SMS-Nachrichten und Splitscreens für Abwechslung gesorgt. Der Nebenplot um den BND-Maulwurf nimmt am Ende Fahrt auf und sorgt dafür, dass der Film nicht völlig in der vorhersehbaren Liebesgeschichte untergeht. Als etwas unkonventionelleres RomCom-Fastfood am Dienstagabend kann man den Film daher gerade noch verzehren.

Sat.1 zeigt «Leg dich nicht mit Klara an» am 14. März um 20.15 Uhr.

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