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Radio-MA: 'High Noon' in der Radiostation

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Wenn die Zahlen der Radio-MA in die Radiosender flattern, halten die Beteiligten ihren Atem an. Wir sprachen mit Morningshow-Moderator Franky von radio ffn über die Spannung vor der Bekanntgabe der ‚Radio-Quoten‘.

Über radio ffn & 'Morgenmän' Franky

radio ffn ist ein niedersächsischer Privat-Radiosender, der in den Städten Hannover, Braunschweig, Osnabrück, Oldenburg, Göttingen und Lüneburg regionale Redaktionen betreibt. Die Radio-Station ist Teil der „Funk & Fernsehen Nordwestdeutschland GmbH & Co. KG“ und sendet bis nach Bremen und Hamburg. Als Geschäftsführer fungiert Harald Gehrung, Ina Tenz verantwortet das Programm. Seit dem 31. Dezember 1986 ist radio ffn auf Sendung.
Bereits seit 16 Jahren arbeitet Franky als Morningshow-Moderator. Er begleitet "Niedersachsens beste Morningshow" werktags zwischen 5 und 10 Uhr.
Ach, wie haben es die Fernsehsender doch leicht. Sie wissen immer, woran sie sind, denn die Einschaltquoten werden täglich gemessen und geben den Senderverantwortlichen schon nach kurzer Zeit Feedback darüber, wie gut die Sendungen beim Fernsehpublikum ankamen. Anders verhält es sich in der Radio-Branche. Die Media Analyse Radio liefert nur jedes halbe Jahr die Hörerzahlen der Radio-Stationen, generiert werden die Werte durch Telefon-Befragungen. Eine andere Messart fehlt, noch immer ist die Radio-MA damit die einzige verbindliche Währung im Radio-Geschäft. Wie die Einschaltquoten im Fernsehen können sich auch die von der ag.ma erhobenen durchschnittlichen Tagesreichweiten erheblich auf das Geschäft der Radio-Sender auswirken.

Besonders die Sommer-Werte wiegen schwer, denn sie wirken sich direkt auf die neuen Preislisten aus, die ab dem 1. Januar des darauffolgenden Jahres wirksam werden und bestimmen, wie viel Geld bei den Sendern für Werbung gezahlt werden muss. Kurzum: Die halbjährliche Radio-MA ist für die Radio-Stationen von großer Bedeutung. Dass sich die Senderverantwortlichen und wirtschaftlichen Vertreter der Sender mit den Zahlen auseinandersetzen, ist selbstverständlich. Unklar ist, wie gespannt die Kreativen und Redakteure im Sender auf die Zahlen warten.

Ein Gespräch mit dem Morningshow-Moderator Frank Schambor, der bei radio ffn aus Hannover besser als ‚Morgenmän‘ Franky bekannt ist, gab Aufschluss über die Situation im Sender, wenn die ‚Radio-Quoten‘ morgens um Punkt 9 Uhr per Kurier in die Station geliefert werden. „Die Media Analyse ist für jede Kollegin und jeden Kollegen im ffn-Team relevant, ganz egal, wie dicht er am Programm mitarbeitet, denn der Erfolg und die Marktposition beeinflussen uns ja alle“, erklärt der 43-Jährige gegenüber Quotenmeter.de. Natürlich versuche man sich auch im Team seiner Morning-Show nach Vorlage der Zahlen und Stundenreichweiten an einer Analyse, sucht nach neuen Ideen und kleinen ‚Schrauben‘, an denen man drehen kann, mindestens ebenso wichtig sei aber „der Blick nach vorn und der Kampfgeist, es beim nächsten Mal genauso gut oder eben noch besser zu machen.“

Auch die Besonderheit der Situation sorgt für zusätzliche Spannung bei den Mitarbeitern von radio ffn. Zwischen den Media Analysen bleiben kleinere Erhebungen oder Zwischenbilanzen aus. „Bei den Schulzeugnissen hatte man früher ja schon eine ungefähre Ahnung: Zweimal eine 2 geschrieben, mündlich auch ganz ok gewesen – das konnte dann ja keine schlechte Zeugnisnote geben. Bei der Media Analyse ist es anders, da tappen wir alle völlig im Dunkeln“, beteuert der 1,88 Meter große und über 100 Kilo schwere Moderator. Nach der Verkündung werde dann gejubelt oder gegrübelt.

Man könnte argumentieren, dass die Moderatoren, die oft auch eine Schar an Redakteuren hinter sich versammeln, keinen direkten Einfluss auf die strategische Ausrichtung der Station haben und meist nur eine von wenigen Sendungen betreuen, in den meisten Fällen gar nicht direkt verantwortlich für Hörer-Zuwächse oder –Verluste sind. Der radio ffn-Moderator lässt diese Verantwortungsdiffusion jedoch nicht gelten: „Ganz klar - ich bin stolz, wenn unsere Stundenreichweiten in der Morningshow gut sind, oder auch geknickt, wenn es schlecht gelaufen ist. Als Morningshow-Host seit 16 Jahren fühle ich mich für die Sendung verantwortlich. On air lassen wir uns nichts anmerken – the show must go on!” Ob etwas verändert werde, entscheide jedoch letzten Endes die Chefetage. “Und dann setzen wir es gemeinsam und immer schön langsam um …Wir wollen ja unsere Hörer nicht mit irgendwelchen Schnellschüssen oder Kehrtwendungen verschrecken.“

Seit jeher musste die Media Analyse viel Kritik einstecken. Die generierten Zahlen seien nicht valide, da die Daten von nicht einmal einem Prozent der gesamten deutschen Bevölkerung stammen. Obendrein könnte die Methode der telefonischen Befragung die Ergebnisse verzerren, schließlich führen die meisten Bürger nicht Buch darüber, durch welche Sender sie sich innerhalb einiger Wochen durchschalteten. Auch Franky findet: „Die Media Analyse lässt immer sehr viel Interpretationsspielraum. Oder anders gesagt: man kann sich jeden Verlust irgendwie schönreden. Für uns Moderatoren ist es vor allem eine Beurteilung unserer Arbeit, auch wenn man weiß, dass man nicht zu sehr auf die Ergebnisse der Einzelstunden blicken sollte.“

Viel schönzureden gab es zuletzt aber nicht. Gerade hinter radio ffn liegt ein gebrauchtes Jahr. Innerhalb eines Jahres verlor der niedersächsische Radio-Sender rund 100.000 Hörer in einer durchschnittlichen Stunde. Auch der Morningshow-Moderator beschäftigte sich intensiv mit den Verlusten und gesteht: „Ob wir gewinnen werden, wissen wir erst am Mittwoch.“ Der Kappen-Träger und Fast-Food-Freund gibt sich aber kampfeslustig und selbstkritisch. Fest stehe, „dass wir die relevanten Dinge wie zum Beispiel Musik und Moderationsinhalte auf den Prüfstand stellen. Jeder fragt sich selbst: ‚Was habe ich zu dem Erfolg oder Misserfolg beigetragen – und was kann ich bis zur nächsten Media Analyse besser machen?‘.“

Nicht nur im Falle von radio ffn scheint der Druck auf den Sender im Angesicht der Radio-MA so groß wie nie, schließlich werden ständig neue Unterhaltungsangebote geschaffen, die dem Radio das Wasser abgraben könnten. „Wir glauben an Radio mit dem ‚immer und überall-Effekt‘.“, widersetzt sich Franky den Zweiflern am Medium. Gleichzeitig mahnt der Moderator: „Natürlich dürfen wir die Trends nicht verschlafen, müssen bei der zunehmenden Digitalisierung der Welt vorn mit dabei sein. Die vielbesungene Disruption ist für uns eine Herausforderung.“ Man müsse relevant bleiben für seine Hörer. Das betreffe Musik, aber vor allem die Inhalte. „Wir müssen uns täglich fragen, ob unsere Sendung den Nerv der Hörer trifft oder ob sie nervt – was wir dann natürlich abstellen oder verändern müssen.“

Am Medium Radio hat der erfahrene Radio-Mann jedoch keine Zweifel. Weiterhin bleibe Radio, egal ob UKW, über Web oder App eine verlässliche Informationsquelle. „Bei iTunes oder Spotify muss man ja danach suchen, im Radio bekommt man die neuen Songs quasi ‚serviert‘. Und was im Radio noch ganz wichtig ist: Regionalität! ffn steht für eine stak regionale Ausrichtung. Bei uns erfahren die Hörer, was vor ihrer Haustür passiert, sei es die aktuelle Nachrichtenlage oder spannende Events. So etwas geht halt nur im Radio.“, weiß Franky und blickt gespannt den Zahlen vom Mittwoch entgegen.

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