Popcorn & Rollenwechsel

Das Facebook-Quartett

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Nach Enthüllung des «Kartoffelsalat»-Trailers: Unser Kinokolumnist lädt zu einem munteren Zahlenspiel.

Lasst uns ein kleines Spiel spielen! Und zwar Facebook-Quartett. Wieso? Weil manche Branchenbeobachter glauben, dass «Kartoffelsalat», eine mit YouTube-Sternchen bespickte Kino-Zombiekomödie, im Sommer solche Besucherzahlen schreiben wird wie einst «Fack ju Göhte!». Die Begründung: Die YouTube-Filmer haben allesamt so viele Fans, wenn die alle geschlossen reingehen, dann muss das einfach ein Überblockbuster werden. Und um auf diese These zu antworten, spielen wir Facebook-Quartett: Wir nehmen vier deutsche Kinoproduktionen, schauen uns an, wieviele Besucher sie erreichten und zählen außerdem die Facebook-Likes respektive -Fans zusammen, die die vier 'wichtigsten' Darsteller dieser Filme mit ihren offiziellen Accounts aufzuweisen haben. Als 'wichtige' Darstelller zählen in diesem Fall jene, die in der Castliste ganz oben auftauchen – und logischerweise einen offiziellen Facebook-Auftritt haben. Und dann schauen wir uns die Ergebnisse mal an. Alles klar soweit?! Na dann mal los:

«Der Nanny»: Matthias Schweighöfer (1,91 Mio. Fans), Milan Peschel (0,04 Mio. Fans), Andrea Osvárt (0,01 Mio. Fans), Joko Winterscheidt (1,48 Mio. Fans). 3,43 Mio. Fans insgesamt, 0,86 Mio. im Schnitt. 1,40 Mio. Kinogänger

«Honig im Kopf»: Dieter Hallervorden (0,08 Mio. Fans), Til Schweiger (1,29 Mio. Fans), Jan Josef Liefers (0,21 Mio. Fans), Fahri Yardim (0,03 Mio. Fans). 1,61 Mio. Fans insgesamt, 0,40 Mio. im Schnitt. 6,78 Mio. Kinogänger

«Who Am I – Kein System ist sicher»: Tom Schilling (0,02 Mio. Fans), Elyas M'Barek (2,25 Mio. Fans), Wotan Wilke Möhring (0,08 Mio. Fans), Antoine Monot, Jr. (0,03 Mio. Fans). 2,38 Mio. Fans insgesamt, 0,60 Mio. Fans im Schnitt. 0,76 Mio. Kinogänger

«Irre sind männlich»: Fahri Yardim (0,03 Mio. Fans), Milan Peschel (0,04 Mio. Fans), Josefine Preuß (0,40 Mio. Fans), Tom Beck (0,41 Mio. Fans). 0,88 Mio. Fans insgesamt, 0,22 Mio. im Schnitt. 0,20 Mio. Kinogänger

Wir sehen also: Würden mehr Facebook-Anhänger zugleich mehr Kinogänger bedeuten, so hätten sowohl «Der Nanny» als auch «Who Am I» an den Kassen Til Schweigers Publikumsrenner «Honig im Kopf» locker geschlagen. Warum also geht diese Rechnung nicht auf? Mögliche Erklärungsansätze liegen unter anderem in der Publikumszusammensetzung: «Honig im Kopf» sprach sehr viele Kinobesucher jenseits der 50 und auch jenseits 60 an, welche der steten Ausbreitung sozialer Netzwerke auch abseits Jugendlicher und junger Erwachsener noch immer eine weniger klickfreudige Personengruppe darstellen. Darüber hinaus ist Til Schweiger als Hauptdarsteller und Regisseur längst zu einer etablierten Marke aufgestiegen – und mit «Honig im Kopf» wurde er seinem Image einmal mehr gerecht.

«Who Am I» dagegen, der gemäß der 'Mehr Facebook-Fans, mehr Zuschauer'-These nach ja ein deutlich größerer Erfolg hätte sein müssen, zielte als stylisch-hipper Hacker-Thriller exakt die webaffine, junge Zielgruppe an. Bot aber den Fans von Elyas M'Barek, die ihn vor allem aus «Fack ju Göhte!» kennen, eine Rolle, die kaum an seine Persona aus dem Riesenkomödienhit erinnert.

Auffällig jedoch: Der kommerziell erfolgloseste Film dieses zufällig ausgewählten Samples hat auch den „unpopulärsten“ Cast. Basierend auf diesem Quartett an Filmen ist die 'Mehr Facebook-Fans, mehr Zuschauer'-These also zumindest nicht vollkommen fehl am Platz. Neu ist sie in dieser Form aber nicht: Dass es ohne Starpower schwieriger fällt, einen Film zu vermarkten, ist eine alte Faustregel der Kinoindustrie.

Um aber zurück zum Thema «Kartoffelsalat» zu kommen: Wenn wir die vier Darsteller nehmen, die auf der Webpräsenz vorgestellt werden, so erhalten wir ein Quartett, bestehend aus Freshtorge (0,41 Mio. Fans), Phil Laude (0,15 Mio. Fans), Dagi Bee (1,42 Mio. Fans) und Bibi (1,19 Mio. Fans). Dies bedeutet 3,17 Mio. Fans insgesamt respektive 0,79 Mio. im Schnitt. Wenn wir aus den oben genannten, wahrlich noch nicht repräsentativen, Daten eine Prognose bezüglich des Kinoerfolgs erstellen wollen, auf wie viele Kinobesucher «Kartoffelsalat» am Ende seiner Leinwandauswertung kommt, empfiehlt es sich, «Honig im Kopf» auszuklammern. Denn unterm Strich stellt es dieser Film, und dieser ganz allein, so dar, als würde die endgültige Besucherzahl die Menge an Facebook-Anhängern der vier 'wichtigsten' Akteure übertreffen. Nimmt man die obigen Besucherzahlen als Wert und die Facebook-Fans als Grundwert, käme daher für «Kartoffelsalat» ein stattliches Ergebnis von 3,49 Mio. verkauften Tickets zustande.

Sobald wir «Honig im Kopf» außen vor lassen, sieht es aber schon ganz anders aus. Dann haben unsere YouTube-Stars eher mit 1,09 Millionen Kinobesuchern zu rechnen. Und auch dies ist noch optimistisch, denn wenn wir unsere spontan erstellte Formel zur Probe anwenden, so käme «Who Am I» auf 0,82 Millionen Zuschauer – eine Zahl, die er in Wirklichkeit ja unterboten hat.

Was also lernen wir daraus? Zunächst, dass Zahlenspielereien oft nur Milchmädchenrechnungen ergeben. Und dass sich erst dann zeigt, wie erfolgreich ein Film im Kino lief, wenn er erstmal lang genug auf der großen Leinwand zu sehen war. Das ist wohl selbstredend, kann aber nicht oft genug betont werden. Soll «Kartoffelsalat» also erstmal starten. Dann sehen wir ja, wie vielen er schmeckt.

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