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Kritikerspiegel: Stürzt das «House of Cards» ein?

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Pünktlich zum Start der synchronisierten, linearen Ausstrahlung in Deutschland: Was sagen die Kritiker zur dritten Staffel von «House of Cards»?

Der Siegeszug von Francis Underwood geht weiter. Seit rund zwei Wochen ist die dritte Staffel seiner von eigentlich jedem gefeierten Serie «House of Cards» nun verfügbar – in Amerika beim Streaming-Dienst Netflix, hierzulande bei Sky über die Angebote Sky Go und Sky Anytime. Am Freitag nun startet auch die lineare Ausstrahlung – und erstmals wird man Kevin Spacey dann auch wieder auf deutsch sprechen hören. Sein Charakter Francis Underwood hat nicht nur in der wirklichen Welt bahnbrechendes Geschafft, sondern auch im Washington der Serie: Underwood ist seit mehreren Monaten Präsident der Vereinigten Staaten. Somit startet die politische Serie in die dritte Runde; Probleme kommen auf den Politiker aber dennoch weiterhin zu. Denn die nächsten Wahlen werfen ihre Schatten voraus und setzen den Machtliebhaber gewaltig unter Druck. Da kommt es rein gar nicht gelegen, dass ausgerechnet seine Frau Claire (Robin Wright) bei einem öffentlichen Auftritt die Beherrschung verliert. Die Ausgangslage also könnte nicht spannender sein: Underwood ist quasi vom Jäger zum Gejagten geworden ...

Wie üblich bei Netflix-Eigenproduktionen wurden alle 13 Episoden auf einen Schlag veröffentlicht, sodass sich weltweit schnell eine Meinung über den Inhalt der Staffel bildete. Diese fällt, gemessen am überaus positiven Feedback der ersten beiden Runden, recht ernüchternd aus:

Der Variety-Kritiker Brian Lowry etwa merkt an, dass «House of Cards» idealerweise nach Staffel zwei hätte enden sollen. Außerdem fürchtet er, dass Staffel drei den Eindruck verstärken könnte, die Netflix-Serie sei zwar gut, aber „überbewertet“. Bei IGN bemängelt Matt Fowler wiederum vor allem die Schlussphase der Staffel: „Dies ist die erste Hälfte eines auf zwei Jahre angelegten Handlungsbogens […], [e]in unerwarteter Schritt für eine Serie, die zwei Mal hintereinander ihre Staffeln rund abschloss. […] Und wenn man mich schon ein Jahr warten lässt, hätte ich gern etwas Deftigeres zu verdauen als das, was man mir vorgesetzt hat.“

Bei The Hollywood Reporter dagegen beklagt Tim Goodman, dass in den neuen Episoden die Story „ermüdend“ sei und sich angesichts der für ihn haarsträubenden Entwicklungen viel zu ernst nehme. Für Dustin Rowles von Pajiba, der zu den härtesten Kritikern der zweiten Season zählt, stellt Staffel drei zwar eine Verbesserung dar – dennoch erachtet er sie als „frustrierend“. Grund sei, dass die „Machtspielchen, dank derer die erste Staffel so unterhaltsam war“ untergegangen seien. „Underwood ist schwächer und sympathischer, was ironischerweise der Serie schadet“, argumentiert Rowles.

«House of Cards» on Demand

Wie Sky am Donnerstag mitteilte, war die Original-Version der Serie in Deutschland in den zurückliegenden zwei Wochen schon sehr gefragt. Demnach wurden seit Staffelstart schon 202.300 Views gezählt, die erste Folge erzielte allein am ersten Tag rund 17.000 Abrufe. «House of Cards» ist so die am erfolgreichsten gestartete Serie. Martin Michel, Geschäftsführer Sky Media Network: „Die neue Staffel «House of Cards» hält ihr Versprechen – nicht nur inhaltlich, sondern auch was die Leistungswerte betrifft. Die Serie hat viele begeisterte und treue Fans und deren Zahl nimmt kontinuierlich zu, daher rechne ich mit einer weiteren Steigerung der Zuschauerzahlen auf Sky Go und Sky Anytime sowie ab morgen auch linear auf Sky Atlantic HD.“
Film- und Fernsehkritiker Jeff Cannata schlussendlich widerspricht im populären Podcast Slashfilmcast vehement dem enttäuschten Konsens. „In meinen Augen ist es mit Abstand die beste Staffel von «House of Cards», und ich bin schon seit der ersten Folge großer Fan“, erklärt Cannata. Er räumt allerdings ein, dass seine Position auch auf seinen persönlichen Interessen beruht: „Ich habe einen Narren an fiktionalen Verarbeitungen von Regierungsfragen gefressen. Ich liebe Politik, ich schaue Tag für Tag die Polittalkshow «Charlie Rose». Und Staffel drei konzentriert sich deutlich stärker auf das Politische.“ Cannata führt fort: „Das ganze Drama über Leben und Tod, Gut und Böse, tritt zurück“, während für ihn die „politischen Mechanismen“ sowie die Beleuchtung der komplexen Moralität von Amtsträgern an Bedeutung gewinnen. Dass zentrale Figuren nunmehr gute Ziele haben, und dafür fragwürdige Wege beschreiten müssen, macht für Cannata die dritte «House of Cards»-Staffel faszinierender und spannender.

Staffel drei von «House of Cards» ist ab dem 13. März 2015 immer freitags ab 21 Uhr bei Sky Atlantic HD zu sehen – wahlweise im Original oder synchronisiert.

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