Rob Vegas

Das zu perfekte Frühstücksfernsehen

von

Olli Dittrich bringt mit dem neuen Format „Frühstücksfernsehen“ endlich gelungene Satire ins Erste.

Die Nachricht erfreute sich großer Beliebtheit. «Olli Dittrich» kommt mit einem schönen Format namens «Frühstücksfernsehen» in die «ARD». Der Trailer zur neuen Reihe von Dittrich verbreitete sich schnell in den sozialen Netzwerken. Eine Parodie auf die Formate der öffentlich-rechtlichen Anstalten. Da wollte ich mir natürlich auch die komplette Show ansehen und war überrascht. Warum? Ich musste einfach kaum lachen.

Es ist schon verrückt. Eigentlich sollte sich das Publikum bei einer Parodie auf die Morgenmagazine unserer Nation auf dem Sofa nicht mehr einkriegen. Dittrich und Stratmann geben zudem ein geniales Duo auf der Mattscheibe ab. Man spürt als Zuschauer geradezu wie genau und fein sich Dittrich die einzelnen Formate und Moderatoren mit der Lupe angesehen hat. Er überspitzt ihre Sprache, die Inhalte und vor allem den Umgang mit den Inhalten. Selbst die Bauchbinden und Kameraeinstellungen werden überall und unterschwellig aufs Korn genommen. Die ganze Machart dieser Formate steht unter Parodiebeschuss von Dittrich und Stratmann. Selbst Fußballspieler, Liveschalten und Deko wurden fein säuberlich analysiert und mit voller Breitseite überspitzt.



Genau darin lag dann auch das Problem bei mir. Ich war fasziniert von der Leistung. Nur lachen musste ich nicht. Im Endeffekt sieht man hier keine Comedy. Es ist einfach eine Überspitzung der Realität in perfekter Form. Das Perfekte daran ist geradezu entlarvend für den laufenden Betrieb der echten Formate. Vielmehr müsste ich bei den echten Morgenmagazinen nun wirklich immer schmunzeln, weil ich halt an die Parodie von «Olli Dittrich» denke. Was leider auch störend ist? Die Ideen zu den Gags sind leider nicht so stark. Jene Kurznachrichten wirkten zwar von Dittrich perfekt als Anchorman vorgetragen, aber waren die Witze an sich unter aller Kanone. Auch die Geschichte über einen angeblichen Spielplatz 21 unter der Erde wirkte halt eher mau. Genau hier scheitert dann für den Zuschauer die Parodie und selbst die perfekte Form von Dittrich lässt am Ende nur die müde Pointe zurück.

Bei «Dittsche» und den «Blind Dates» funktioniert der Humor von Dittrich weitaus besser. Hier haben die Schreiberlinge im Hintergrund weniger Eingriff in das Format. Hier musste Dittrich oft sogar mit Ingo selbst über seine kruden Theorien lachen. Es ist einfach nicht vorab lustig geschrieben. Mit «Anke Engelke» könnte man sich Dittrich Stunden im kaputten Aufzug ansehen. Das Duo würde wahrscheinlich sogar einen kompletten Nonstop-Flug nach Tahiti lang das Publikum erheitern. Beim «Frühstücksfernsehen» allerdings funktionieren bislang nur Dittrich und Stratmann. Die Lacher allerdings noch nicht.

Leider.





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