Sonntagsfragen

„Nicht scharf darauf meinen Stempel draufzuhauen“

von

...sagt «The Voice Kids»-Moderator Thore Schölermann im Exklusiv-Interview. Wir sprachen mit ihm über den Zustand des „Castingshow-Landes“ Deutschland und er verrät, was TV-Macher von Spaghetti Bolognese lernen können.

Zur Person: Thore Schölermann

2006 begann Thore Schölermanns TV-Karriere in der ARD-Vorabendserie «Verbotene Liebe». Von der Schauspielerei ging es zur Moderation: Nach einigen «taff»-Moderationen führt der heute 28-Jährige seit der zweiten Staffel durch die «The Voice of Germany», das ProSiebenSat.1 einen der größten Quotenerfolge der letzten Jahre bescherte. Seit einigen Monaten führt er zudem durch «Die perfekte Minute».

Thore Schölermann, was wollten Sie als Kind eigentlich werden? Popstar?
Oh nein, ich wollte immer ganz klassisch Polizist oder Förster werden. Bei «The Voice Kids» ist auch nicht das erklärte Ziel „Popstar zu werden“ bzw. suggerieren wir nicht, wie toll eine Karriere als Superstar wäre. Das fände ich falsch. Bei uns geht es darum, dass die Talente Spaß am Singen und an Musik haben und dass wir ihrem großen Talent eine Bühne geben. Bei uns steht deshalb auch nicht der Gewinn im Fokus, sondern jedes Kind hat bereits mit seiner Teilnahme für sich gewonnen. Für den Sieger gibt es einen Ausbildungsvertrag, mit dem er oder sie sich nach der Schule eine Ausbildung oder Studium finanzieren kann.

Das Kinder-«DSDS»-Pendant knüpfte bei RTL nicht an die regulären «DSDS»-Quoten an. Warum glauben Sie dennoch an dieses jüngere Format?
«The Voice Kids» ist neu und nicht zu vergleichen. Wir lassen Kinder, Kinder sein und sie bekommen bei uns die Möglichkeit, einmal zu zeigen, was sie drauf haben. Wir machen keine Kindershow oder Miniplaybackshow, sondern eine Show mit extrem talentierten Sängern, die etwas jünger und kleiner als gewohnt, aber schon jetzt sehr ernst zu nehmen sind. Wir wollen keine jungen Stars schaffen, es sollen vor allem alle Beteiligten Spaß haben. Und Spaß macht «The Voice Kids» auf jeden Fall.

Wird die Show live oder aufgezeichnet sein? Jugendschutz lässt vermutlich nur live-on-tape zu?
Beides, wir haben aufgezeichnet, es wird aber auch eine Liveshow geben. Die Kids dürfen pro Tag nur eine bestimmte Zeit bei uns im Studio sein und daran halten wir uns penibel. Wir haben zusätzlich aber auch noch Rückzugsräume mit Spielsachen, Schlafzimmer, einen eigenen Lehrer und einen Psychologen. Außerdem sind die Familien ständig dabei. Und falls es mal an einem „großen Bruder“ mangelt, bin ich zur Stelle. (lacht)

Die Moderation einer Castingshow lässt einem relativ wenig Spielraum. Wie möchten Sie diesem Format dennoch Ihren Stempel aufdrücken?
Ich bin nicht scharf darauf, hier zwanghaft meinen Stempel draufzuhauen. Ich versuche genau so authentisch zu sein, wie der Rest der Show. Das ist ja heutzutage schon fast ein Stempel, nicht aufgesetzt zu sein. Im Vordergrund stehen unsere Talente, ich schräg dahinter und wehe denen kommt jemand blöd… (lacht)

Woraus ziehen Sie Ihre Bestätigung, ob Ihre Sendung gut war oder nicht? Einige Kritiken liest man in dem Geschäft sicherlich nur ungern...?
Wenn ich eins in diesem Geschäft gelernt habe, ist es nicht auf jeden, der meint was zu sagen zu haben, auch zu hören. Kritik ist wichtig, aber ich nehme sie hauptsächlich von Profis mit Erfahrung aus meinem Umfeld an.

Inwieweit verändert sich Ihr Umgang mit den Kandidaten bzw. die Moderationen angesichts der sehr viel jüngeren Teilnehmer?
Gar nicht so viel. Ich behandle hier niemanden wie ein kleines Kind. Musikalisch nehme ich einige ernster als manchen Erwachsenen. Bei Kindern ist natürlich noch mehr Fingerspitzen- und Moderationsgefühl gefragt.

Nach Ihrem Abitur gingen Sie auf die Schauspielschule und damit mehr oder weniger direkt in das Show-Geschäft. Wie wurden Sie auf dieses „Haifisch-Becken“ vorbereitet?
Ehrlich gesagt kann man da nicht drauf vorbereitet werden. Wenn man sich für das Showgeschäft entscheidet, muss man lernen mit Personen umzugehen, die über Leichen gehen. Aber ich habe auch gemerkt, dass ich für mich „straight“ und „loyal“ am besten klarkomme.

Was entgegnen Sie Kritikern, die dieses Castingshow-Rampenlicht bei Kindern verurteilen?
Ich finde es gut und wichtig, dass dieses Thema kritisch betrachtet wird. Das tue ich auch. Jeden Kritiker lade ich aber herzlich zu uns ins Studio ein und dann reden wir weiter. Bei uns ist niemand, bei dem wir uns nicht sicher sind, dass er oder sie das selber will und nicht übereifrige Eltern dem Kind das eingeredet haben. Wir sind uns der riesigen Verantwortung natürlich bewusst.“

Deutschland scheint weiter „Castingland“ - Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?
Es ist unterhaltsam, es ist spannend und man wird immer wieder mal überrascht. Und vor allem kann die ganze Familie zugucken.“

Auf der anderen Seite verlieren die Shows tendenziell auch Zuschauer... Macht Ihnen dieser Trend Angst?
Man darf nicht die Arroganz besitzen und meinen, dass der Erfolg von alleine und ohne an sich zu arbeiten, immer so weiter geht. Das wichtigste ist, den Zuschauer ernst zu nehmen und nicht für blöd zu verkaufen, ihm immer dasselbe Gericht auf den Teller packen. Ich koche meine Bolognese auch immer ein bisschen anders – mal schärfer, und hier und da mal ein anderes Gewürz. (lacht) So habe ich immer wieder aufs Neue Bock drauf.

Inwieweit verfolgen Sie die anderen Castingshows?
Ich war noch nie Fan von klassischen „Castingshows“. Bei Musikshows sieht das anders aus! (lacht)

Vielen Dank, Thore Schölermann.

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