Die Kino-Kritiker

«Kindsköpfe»

von
Adam Sandler fasst in «Kindsköpfe» mit seinen Kumpeln Kevin James und Rob Schneider das schlechteste seiner Karriere zusammen.

Wenn Komiker altern, dann versuchen sie häufig ins dramatische Fach zu wechseln. Oder sie ändern den Typen, den sie in ihren Komödien spielen, weil sie aus ihren früheren komödiantischen Rollen herauswachsen. Man kann ja nicht ewig den rebellisch-idiotischen Jungspund spielen. Auch Adam Sandler bemerkte, dass für ihn die Zeit eines Rollenwechsels gekommen ist. Mit «50 erste Dates», «Spanglish» oder «Wie das Leben so spielt» fand er etwas gesetzter, ernstere Rollen und selbst in seinen letzten klassischeren Komödien spielte er weniger infantile Typen. Mit «Kindsköpfe» tritt Sandler aber zwei Schritte zurück. Das wäre zu verkraften, hätte der aus seiner überreizten Masche herausgewachsene Komiker neben seinen Freunden aus Hollywood auch neue Gags mitgebracht. Stattdessen ist «Kindsköpfe» einer traurige Parade aus dem schlechtesten, was US-Blödelkomödien Jahr für Jahr ihrem Publikum zumuten.

Der Tod ihres Basketballtrainers aus Schulzeiten trommelt die fünf Freunde Lenny Feder (Adam Sandler), Eric Lamonsoff (Kevin James), Kurt McKenzie (Chris Rock), Rob Hilliard (Rob Schneider) und Marcus Higgins (David Spade) wieder zusammen. Bis auf Marcus sind sie alle verheiratet und haben Familie, sie alle sind jedoch noch immer unreif und weisen ganz klare Macken auf. Um ihrem geliebten Trainer eine Ehre zu erweisen, mieten sie die an einem idyllischen See gelegene Blockhütte, in der sie als Kinder ihren Meisterschaftssieg feierten. Die charakterlichen Schwächen der fünf Freunde und die unterschiedlichen Probleme mit ihren mitgebrachten Familien sorgen dabei allerdings für genauso viel Chaos, wie die ständigen Begegnungen mit dem schlecht gealterten Quintett, das sie Jahrzehnte zuvor im Meisterschaftsspiel besiegten.

Eine Gruppe männlicher Freunde, die sich auf der Suche nach Spaß und dem inneren Jugendlichen eine Auszeit vom Alltag nimmt. Das ist kein sonderlich frischer Aufhänger für eine chaotische Komödie und war die letzten Jahre mit «Born to be Wild – Saumäßig unterwegs» bereits kurzweiliger auf den Kinoleinwänden zu sehen. Kein schmeichelndes Urteil, wenn die „Männer in der Mid-Life-Crisis machen einen auf Biker“-Komödie mit Tim Allen, John Travolta, William H. Macy und Martin Lawrence gelungener ist, als der eigene Versuch eine Komödie über Kindsköpfe im gesetzten Alter zu drehen. «Born to be Wild – Saumäßig unterwegs» hangelte sich wenigstens recht sympathisch an seiner Alibihandlung entlang.

Regisseur Dennis Duncan («Happy Gilmore», «Chuck & Larry» und «Leg dich nicht mit Zohan an») dagegen gelingt es in «Kindsköpfe» nicht, dem zusammenhanglosen Drehbuch von Sandler und seinem Ko-Autor Fred Rolf auch nur den Anschein eines roten Fadens einzuverleiben oder die Ferienstimmung der fünf Freunde auf das Publikum zu übertragen. Vor allem sind die keine nennenswerte Entwicklung durchmachenden Figuren selbst für diese Form der Komödie unglaublich flach, was sich nicht nur auf das geistige Niveau der konfliktlosen Handlung niederschlägt, sondern auch auf das Witzpotential. Das Ensemble besteht ausschließlich aus One-Joke-Charakteren: Lenny ist ein lügender, mit seinen verwöhnten Kindern und seiner arroganten Ehefrau überforderter Möchtegernjungspund, Eric ist ein rückgratloser, dicker Tollpatsch, Kurt ist ein Hausmann und Marcus ist der in der Pubertät hängen gebliebene Chauvi. Ausgerechnet Rob Schneider, der talentloseste in der Truppe, spielt mit einem mehrfach geschiedenen und nah am Wasser gebauten Esoteriker, der eine Vorliebe für ältere Frauen hat, die schillerndste Figur. Deutsche Kinobesucher dürften sich deswegen dank der Synchronisation im Vorteil fühlen, denn der begabte Synchronsprecher Axel Malzacher (u.a. Remy in «Ratatouille» und Sean Hayes in «Will & Grace») schenkt Schneider in der deutschen Fassung viel mehr Charme und Gefühl für Timing, als Sandlers Kumpel jemals in seiner gesamten Karriere gezeigt hat.

Mit derart einseitig gezeichnete Figuren ist es kein Wunder, dass der Film seine Lacher schnell verspielt hat. Wenn nach den anstrengenden ersten fünfzehn Minuten alle Dicken- und Altenwitze gemacht sind und man Sandlers Notlügen oder der Unterdrückung des Hausmanns Rock nichts neues mehr abgewinnen kann, verfällt «Kindsköpfe» in ein seelenloses Humorkoma. Unterbrochen wird die gähnende Langeweile von wenigen längst zu Tode gerittenen Schmunzlern, die allein durch die Hartnäckigkeit, mit denen Comedyautoren an ihnen festhalten, wundersamerweise noch ein bemühtes Kichern aus dem Zuschauer kitzeln können. Selbst die Chemie zwischen den befreundeten Hauptdarstellern kann «Kindsköpfe» nicht reizvoll machen, da diese von den überaus steif miteinander agierenden, blassen Damen des Films komplett ausgeglichen wird. Insbesondere Maria Bello und Salma Hayek wirken derart lustlos, dass man sich beinahe einbildet, den unter die Kamera angehefteten Scheck sehen zu können.

Nach zahllosen sinnlosen Szenen und wie in einer Nummernrevue aneinander gereihten Sketchen ohne Schlusspointe wird in «Kindsköpfe» zu allem Überfluss noch urplötzlich die bei Sandler obligatorisch unsubtile Moralkeule rausgeholt. Somit vereint «Kindsköpfe» letztlich jegliche Kritikpunkte an einem typischen Sandler-Film. Bleibt bloß die Frage, wo die charakteristischen Stärken Sandlers in diesem Streifen geblieben sind.

Fazit: «Kindsköpfe» ist eine witz- und lustlose Komödie mit müden Komikern, die hoffen, dass die Vereinigung schaler Schatten früherer Rollen einen erfrischenden Film ergibt. Eine richtige Handlung sucht man vergebens und von den abgedroschenen Gags zündet nur ein verschwindend kleiner Bruchteil.

«Kindsköpfe» ist seit dem 5. August in vielen deutschen Kinos zu sehen.

Kurz-URL: qmde.de/43711
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