TV und so

Switch refurbished

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Bald kehrt die TV-Comedy «Switch reloaded» zurück. Wer soll diesmal parodiert werden?

Im Juli wird wieder gelacht, wenn es nach den Machern der Parodieshow «Switch reloaded» geht. Aber ob der Zuschauer wirklich noch das Zwerchfell bemühen wird, wenn Giermann und Co. auf den Bildschirmen die Stars der TV-Szene aufs Korn nehmen, darf bezweifelt werden. Schon die ersten Folgen der vierten Staffel, die im Frühjahr 2009 ausgestrahlt wurden, bekamen teils negative Kritik, weil den Machern nichts Neues mehr einfiele. Auch die Zuschauerzahlen entwickelten sich rückläufig: Nur noch eine der sieben Episoden kam auf einen zweistelligen Marktanteil in der Zielgruppe.

Es ist nicht von Vorteil, dass zunächst der restliche Teil der vierten Staffel ab Juli versendet wird, bevor wirklich frisches Material nachkommt. Denn der Zuschauer wird nicht wissen, dass es noch ungesendete Folgen einer Staffel von «Switch Reloaded» gibt, die vor über einem Jahr gedreht wurden. Er wird nur sehen, dass er dieselben Sketche und dieselben Parodien bekommt, die er in ähnlicher Form schon einige Monate zuvor gesehen hat. ProSieben versichert dennoch, dass es auch in der restlichen vierten Staffel noch genügend neue Figuren für den Zuschauer geben soll - richtig aktuell wird man dennoch erst, wenn die fünfte Staffel auf den Bildschirm kommt.

«Switch reloaded» ist ein Format, das den aktuellen Zeitgeist des Fernsehgeschehens aufgreifen muss und ihn möglichst aktuell parodiert. Denn das Publikum interessiert sich nur bedingt noch für alte Klassiker wie Giermann als Raab, Beckmann oder Lafer. Was sollte also jetzt parodiert werden, wenn «Switch reloaded» schon morgen auf Sendung gehen würde?

In den hoffentlich erfolgsgekrönten Nachwehen der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 darf man es nicht verpassen, die großen Charaktere der Meinungsmache abseits des Platzes zu persiflieren. Das Duo Müller-Hohenstein / Kahn eignet sich genauso wie charismatische Trainer. Und auch Netzer und Delling dürfen ausnahmsweise noch einmal wiederkommen – schließlich ist dies die letzte Möglichkeit nach Netzers Abtritt von der Expertenbühne. Auch neue Showtrends wie «Die perfekte Minute» eignen sich wortwörtlich perfekt zur Parodie. Oliver Pocher hat sich schon daran versucht, aber dass mit ihm kein begnadeter Parodist vom Himmel gefallen ist, wissen wir alle – nur er selbst nicht. Dem Zuschauer sollte auch dieser Umstand visuell mit der Brechstange vermittelt werden, indem «Switch reloaded» Pocher parodiert, wie er sich selbst an schlechten Kahn- oder Podolski-Imitationen versucht. Auch aktuelle Dokusoap-Auswüchse wie «Vermisst» oder das gechasste «Unterm Hammer» dürften sich hervorragend bei «Switch reloaded» machen. Und endlich können auch deutsche Serien wieder als Vorlage für Sketche herhalten, nachdem Sat.1 am Montag mit «Danni Lowinski» und «Der letzte Bulle» Erfolge feiern konnte.

Eine letzte Idee: Warum sollte sich «Switch reloaded» nicht einfach einmal selbst aufs Korn nehmen? Eine Parodie auf die Parodie, in bester Beckenbauer-Knop-Tradition. Selbst Stefan Raab hat einst zugegeben, dass seine Rolle von Max Giermann mittlerweile fast echter wirkt als er selbst. Ein großes Kompliment für ein solches Format. Aber die Macher dürfen sich nicht auf ihren verdienten Lorbeeren ausruhen – es wäre zu schade um diese Qualitätscomedy.

Tag für Tag erleben wir im Fernsehen skurrile Situationen und verrückte Ereignisse. Unser Quotenmeter-Praktikant nimmt den Wahnsinn der TV-Welt zum Anlass, um seine Gedanken aufzuschreiben. Also gibt es jeden Mittwoch die Ansichten eines Fernsehjunkies in „TV und so“. Nur auf Quotenmeter.de.

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