Hingeschaut

«GZSZ»: Große Katastrophen im kleinen Rahmen

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Wie war die Jubiläumsfolge von «GZSZ»? Wie realistisch der Erdrutsch? Wie gelungen das Crossover zu «Alles was zählt»?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ein Meilenstein in der Fernsehgeschichte war die große Jubiläumsfolge zum 18. Geburtstag von «Gute Zeiten, Schlechte Zeiten» nicht. Ein Erdrutsch zerstörte nicht nur das Serien-Hostel und das Café „Mocca“, sondern begrub zugleich auch zahlreiche Hauptdarsteller unter den Trümmern. Leider war der eigentlich Rutsch nur in Form einer großen Staubwolke zu sehen. Hier hätte man von einer Serie, die wegweisende, optische Maßstäbe gesetzt hat, etwas mehr erwartet. In der Katastrophe wurden die Grenzen des Formates sichtbar.

Daily Soaps sind einfach nicht der geeignete Rahmen für große Unglücke. Zu beschränkt sind die Möglichkeiten, zu eng der Zeitplan, zu begrenzt das Budget und zu beengt die Kulissen solche Ereignisse wirklich beeindruckend zu inszenieren. Die Konkurrenz der Kinofilme und Primetime-Serien, deren Möglichkeiten wesentlich größer sind, führt zwangsläufig dazu, dass Soap-Desaster immer etwas niedlich und piefig wirken. Katastrophen leben vom Spektakel - von großen Ausmaßen. Das kann eine Soap nicht leisten. Die Stärke des Formats liegt im Zwischenmenschlichen - in den kleinen und mittelgroßen Dramen des Lebens. Geschichten für die, die Kinoleinwand wiederum zu groß ist.

Und trotzdem hat es sich in der nun 18-jährigen Geschichte der Daily Soaps in Deutschland etabliert, vor allem anlässlich bedeutender Folgen solche Katastrophen abzuhandeln. Nicht zuletzt, um auch überflüssig gewordene Kulissen aus der Serie entfernen zu können.

Die Macher von «GZSZ» haben das Beste aus den Beschränkungen herausgeholt. Die Setdesigner haben sich viel Mühe gegeben, die Verwüstung der liebgewonnenen Kulissen authentisch aussehen zu lassen. Auch die Armada aus unzähligen Polizei- und Feuerwehreinsatzwagen wirkte aufwendig. Die Darsteller konnten die extremen Anforderungen durchweg gut meistern.

Die Autoren sattelten bei ihrem Unglück direkt auf die realen Ereignisse im März 2009 in Köln auf und begründeten den Erdrutsch ebenfalls mit dem Bau an der nahegelegenen U-Bahn. Um dies in der Serie plausibel zu erklären, wurde in der Woche vor dem Desaster mehrfach betont, dass die U-Bahn wegen Bauarbeiten gesperrt sei und im Kiez ein kleiner Schienenersatzverkehr eingerichtet. Insofern wurde das unglaubliche Szenario glaubwürdig umgesetzt.

Leider erinnerte die gesamte Handlung stark an den Relaunch von «Marienhof». Dort begrub im vergangenen Herbst nach einer Gasexplosion ein großer Teil der Kulissen zahlreiche Darsteller unter sich. Die Bilder waren sich teilweise so ähnlich, dass man sie fast hätte austauschen können. Wenigstens konnten die herumliegenden Steinbrocken nicht wie bei «Marienhof» als Styropor-Attrappen identifiziert werden.

Ein interessanter Effekt stellte sich bereits am Montagabend kurz vor der eigentlichen Katastrophe ein. Weil aufgrund ausführlicher Presseberichte bereits im Voraus bekannt war, dass der Erdrutsch einige Hauptdarsteller verschütten wird, kam tatsächlich Spannung auf. Kurz vor dem Ereignis rotierten nahezu alle Figuren um das Café, sodass es bis zuletzt offen blieb, wer zum Zeitpunkt des Erdrutsches dort verbleiben wird. Am Ende traf es Lucy, Ayla, Phillip, Carsten und Dascha.

Besonders gelungen war der Kontrast zum zweiten Handlungsstrang der Serie. Parallel zum Einsturz des Innenhofs feierte die High-Society von Berlin im angrenzenden Club „Mauerwerk“ die Premiere eines neuen Lifestyle-Magazins. Wo auf der einen Straßenseite Staub, Trümmer und Verzweiflung herrschten, dominierte auf der anderen unbeeindruckt die Dekadenz der vermeintlichen Prominenz - hervorragend untermalt mit der Live-Musik von Stargast Tom Gaebel. Selten wurde der Titel der Serie so drastisch umgesetzt.

Mit einem Crossover zur RTL-Soap «Alles was zählt» hatte die Geburtstagsfolge ein weiteres Ass im Ärmel. Die Gerners hatten zur edlen Party auch die Steinkamps - ihr Gegenstück aus der Schwesternserie - eingeladen. Deren Auftritt bei «GZSZ» wurde mehrfach mit Seitenhieben auf ihre Geschichte bei «Alles was zählt» verziert, die jeden Fan zum Schmunzeln gebracht haben dürften. Etwa als Simone Steinkamp ihren Mann im Gespräch mit einer Blondine sah und trocken bemerkte: „Ernst wird es erst, wenn ein Pool in der Nähe ist.“

Als Fazit kann daher festgehalten werden: Wenn schon Katastrophen in Soaps eingebaut werden müssen, dann bitte so wie in der Jubiläumsfolge von «Gute Zeiten, Schlechte Zeiten». Besser lassen sich diese nicht in das Format hineinpressen. Es bleibt allerdings auch nach dem Erdrutsch spannend, denn ein Mitglied des Hauptcasts ist noch immer unter den Trümmern unentdeckt verschüttet. Noch überwiegen also die Schlechten Zeiten.

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