Statistisch gesehen

Der Preis ist heiß

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Wenn bei «Schlag den Raab» der Jackpot steigt, steigt die Spannung. Spiegelt sich das auch in den Reichweiten wider?

Statistisch gesehen hat der Durchschnittsdeutsche ein Jahreseinkommen von rund 30.000 Euro. Als Kandidat in Fernsehshows lässt sich das schnell überbieten. Dafür gibt's aber auch kein Arbeitslosengeld, wenn man leer ausgeht.

Am Samstag läuft auf ProSieben die einundzwanzigste Ausgabe von «Schlag den Raab», dem Vorzeige-Unterhaltungsformat des Münchner Senders, das vor über drei Jahren seinen fulminanten Auftakt erlebte und vom Start weg Spitzenquoten von meist weit über 20 Prozent bescherte. Damals wurde der ganze Unterhaltungssektor aufgerüttelt, war die große Samstagabendshow doch längst für tot erklärt worden. Die Hoffnung auf eine Renaissance des Genres hat sich mittlerweile gelegt, die Kreativität deutscher Showentwickler reicht wohl nicht aus, weitere ähnlich packende Formate zu schaffen, aber immerhin läuft das Original so gut wie eh und je.

Für den Erfolg der Sendung gibt es sicherlich zahlreiche Gründe. Raab polarisiert und zieht sowohl seine Fans vor den Fernseher als auch diejenigen, die miterleben wollen wie Raab sich vor einem Millionenpublikum blamiert. Mit dem Kandidaten kann man mitfiebern, behaupten, das alles doch viel besser zu können oder in Einzelfällen sich auch mal mächtig über die Sprüche eines Hans-Martin aufregen. Das Spiel-Konzept ist simpel, abwechslungsreich und bis zum Ende spannend. Und es werden vor allem bei den Spielen außerhalb des Studios keine Mühen gescheut, etwas Spektakuläres auf die Beine zu stellen.

Statt zu fragen, wieso «Schlag den Raab» so erfolgreich ist, kann man nach nunmehr zwanzig Ausgaben auch mal einen Blick werfen auf die Frage: Gibt es einen Grund, warum eine Ausgabe so erfolgreich ist und die nächste plötzlich wieder von viel weniger Menschen gesehen wird? Wetter, Zufall, das Konkurrenzprogramm? Unter den Fans der Sendung gibt es nämlich einen bemerkenswerten Erklärungsansatz: Je höher der Jackpot, desto spannender die Sendung und desto höher die Zuschauerzahl.

Auch wenn das mit Sicherheit nicht der dominante Faktor sein dürfte, interessant bleibt die Frage dennoch: Schalten wirklich mehr Leute ein, wenn es um ein höheres Preisgeld geht? 500.000 Euro, der Mindestbetrag bei «Schlag den Raab» sind ja immerhin schon ein Vermögen. Macht es für Ottonormalzuschauer tatsächlich noch einen Unterschied, wenn da noch eine halbe Million hinzukommt? Für den Durchschnittsdeutschen sind beide Summen fast abstrakt hoch. Und wenn doch: gibt es einen Betrag, ab dem die Show nicht mehr interessanter wird? Eine Gegenüberstellung der Preisgelder und Reichweiten gibt Aufschluss:



Tatsächlich: im Schnitt knapp 400.000 Menschen (aus der Zielgruppe) schalten für den „Kleckerbetrag“ von 500.000 Euro offenbar gar nicht erst ein. Und auch die zweite Frage ist damit gelöst: Mit einem Jackpot von mehr als 1,5 Millionen Euro lässt sich das Zuschauerinteresse nicht mehr steigern. Der Erklärung, die Kandidaten würden sich bei den höheren Summen mehr anstrengen und damit für mehr Spannung sorgen, kann ich mich trotzdem nicht anschließen. Wer bitteschön gibt für eine Million Euro nicht sein Bestes?

Was da bei den beiden 2,5-Millionen-Sendungen los war? Waren Olufemi und Oku etwa nicht interessant genug? Kann doch nicht sein – ans Jetski-Rennen mit Olufemi erinnere ich mich jedenfalls noch als wäre es gestern gewesen. Soweit man das ein Rennen nennen konnte. Die Quoten übrigens gehen im Gegensatz zu den Reichweiten bei den ganz hohen Summen erst richtig nach oben, was aber einfach daran liegt, dass die drei Shows, in denen es um 2,5 bzw. 3 Millionen Euro ging, auch die drei längsten waren – das hilft den Quoten auf die Sprünge.

Morgen geht es um 1,5 Millionen Euro, gute Quoten sind also garantiert. Ein kleiner Tipp an den Kandidaten, um vom Durchschnittsbürger zum Millionär zu werden: Von den fünf längsten Sendungen, verlor Stefan Raab vier. Also einfach öfter mal eine ausgedehnte Pinkelpause einlegen.

Oft steckt mehr hinter den Zahlen des TV-Geschäfts als man auf den ersten Blick sieht. Oder weniger. Statistisch gesehen nimmt sie unter die Lupe

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