Die Kritiker

«Zwillingsküsse schmecken besser»

von
Story
Maximilian von Falkenbach und Lukas Kunze könnten unterschiedlicher nicht leben. Von Falkenbach ist Multimillionär mit einer großen Villa und Chef seiner eigenen Recycling Firma. Lukas hingegen ist ein erfolgloser Müllmann. Doch eines haben die beiden gemeinsam. Sie sind beide mit ihrem Leben unzufrieden. Während der Millionär von seinem Luxus gelangweilt ist, träumt Kunze davon, einmal sein eigener Chef zu sein.

Als sich die beiden zufällig treffen, stellen sie fest, dass sie sich zum Verwechseln ähnlich sehen. Wie sich herausstellt, wurden die beiden Zwillingsbrüder vor einem Kinderheim ausgesetzt und von verschiedenen Familien adoptiert. In der unerwarteten Familienzusammenführung erkennen sie die Möglichkeit aus ihren jeweiligen Leben unbemerkt aussteigen zu können und beschließen einen Rollentausch für vier Wochen. Während dieser Zeit erleben die Zwillinge einige Turbulenzen, denn Maximilian verliebt sich in die schöne Pizzeria-Besitzerin Elena und Lukas erkennt, dass die Recycling Firma in den Ruin getrieben wird.

Darsteller
Christoph M. Ohrt («Allein unter Bauern», «Edel & Starck», «HeliCops») ist Maximilian von Falkenbach & Lukas Kunze
Nadeshda Brennicke («Antikörper») ist Kristin Ullrich
Clelia Sarto («SOKO Köln») ist Elena Merlin
Richard van Weyden («GSG9 – Die Elite Einheit») ist Krüger
Nadja Becker («Stromberg») ist Frau Neumann
Jörg Zick («Ein Teufel für Familie Engel») ist Berzbach
Jochen Kolenda («Contergan») ist Frederic
Christoph Hagen Dittmann («Berlin, Berlin») ist Dicker

Kritik
Der Film lässt eine Begeisterung aller Beteiligten vermissen. Er hat einfach kein Herz. Offensichtlich sehen die Macher die Produktion als reine Vertragserfüllung an. Vor allem Christoph M. Ohrt wirkt in jeder Szene gelangweilt und das nicht nur, wenn der den überdrüssigen Millionär mimt. In dem Hauptdarsteller hat der Film seine größte Schwäche. Er schafft es einfach nicht die beiden Charaktere, die er verkörpert, unterschiedlich zu spielen. Dies geht soweit, dass man als Zuschauer immer wieder verwirrt ist, welcher der beiden Brüder gerade auftritt. Da leider auch die Maske kaum Unterschiede zwischen Maximilian und Lukas herausarbeitet, mutiert der Film immer wieder zur munteren Rätselstunde. Möge man Christoph M. Ohrt den gelangweilten Millionär noch abnehmen, so scheitert er mit der Darstellung des Müllmanns Lukas vollends. Die Verzweiflung, in der sich Lukas laut Drehbuch befinden soll, nimmt man ihm in keiner Sekunde ab.

Auch die Streitigkeiten zwischen den beiden Zwillingen wirken zu gestellt und konstruiert. Zudem ist seine rund 20 Jahre jüngere Liebhaberin unglücklich gewählt. Zwischen dem angeblichen Paar funkt es überhaupt nicht.

Doch Ohrt hätte diesen Film auch mit gutem Spiel nicht retten können. Zu schwach und vorhersehbar ist das Drehbuch. Es vergibt einige gute Ansätze und verliert sich in allzu großen Klischees. So hätte es eine durchaus lustige Szene werden können, als der Müllmann Lukas als Millionär ein Nobelrestaurant besucht. Wäre die Figur etwas ruppiger und bodenständiger gestaltet, hätte man hier einigen Witz herausholen können. Die restlichen Figuren lassen ebenfalls jegliche Tiefe vermissen. Die treue Sekretärin, der spießige Beamte vom Gewerbeamt oder der italienische Pizzabäcker könnten nicht plakativer gezeichnet sein.

Das Bild wird durch die platten Dialoge abgerundet. So wirft Müllmann Lukas in einem Streit seinem reichen Bruder sinngemäß mangelnden Mut vor: „Im wahren Leben scheint nicht immer die Sonne. Da regnet es auch mal“ - „Bei schlechtem Wetter fahre ich immer nach Portugal“, lautet die enttäuschende Antwort.

Insgesamt weiß der Film nicht wo er hin will. Ist es nun eine Verwechslungs-Komödie, ein Wirtschaftskrimi oder eine Liebesgeschichte. Beim Versuch diese drei Handlungsstränge in 90 Minuten unterzubringen, bekommt keiner den Raum, der nötig ist um eine gehaltvolle Geschichte erzählen zu können.

Mit seichten Romantic-Comedys konnte Sat.1 in den vergangenen Jahren immer wieder bescheidene Erfolge erzielen. Diesen Anspruch erfüllt der Film. Mehr aber nicht. Letztendlich ist er nicht wesentlich von den wöchentlichen «Rosamunde Pilcher»-Verfilmungen im ZDF zu unterscheiden. Er wird jedoch durch das auffällige Product Placement des iPhone und das Umweltthema Recycling zwanghaft auf modern getrimmt.

«Zwillingsküsse schmecken besser» ist sicher nicht der schlechteste Film, der jemals produziert wurde. Er bewegt sich eher im mittelmäßigen Bereich. Aber braucht Deutschland noch mehr mittelmäßige Filme, bei denen die Menschen nebenbei ihre Steuererklärung machen können?

Sat.1 zeigt «Zwillingsküsse schmecken besser» am Donnerstag, 28. August 2008, um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/29377
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