Die Kino-Kritiker

«Maze Runner - Die Auserwählten in der Brandwüste»

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Mit der Fortsetzung zur erfolgreichen Jugendbuchverfilmung schneiden sich die Macher selbst ins Fleisch - und die FSK das Blut weg. Filmkritikerin Antje Wessels hat das Spektakel mit gemischten Gefühlen verfolgt.

Filmfacts: «Maze Runner - Die Auserwählten in der Brandwüste»

  • Kinostart: 24. September 2015
  • Genre: Abenteuer/Fantasy
  • FSK: 12
  • Laufzeit: 129 Min.
  • Kamera: Gyula Pados
  • Musik: John Paesano
  • Buch: T.S. Nowlin
  • Regie: Wes Ball
  • Darsteller: Dylan O'Brien, Kaya Scodelario, Thomas Brodie-Sangster, Ki Hong Lee, Dexter Darden, Alexander Flores
  • OT: Maze Runner: The Scorch Trials (USA 2015)
Im vergangenen Jahr trat der erste Teil der «Maze Runner»-Trilogie das 2015 anstehende Erbe der «Tribute von Panem»-Saga an. Diese verabschiedet sich im November mit einem (sicherlich denkwürdigen) Finale in die Annalen der Young-Adult-Filmgeschichte und macht den Weg frei für die Labyrinth-Flüchtlinge sowie deren Kollegen aus der «Divergent»-Reihe. Mit «Die Auserwählten im Labyrinth» gab das Franchise einen ansprechenden Einstand, übertrumpfte in Dynamik und Stringenz sogar den «Panem»-Auftakt und machte – im wahrsten Sinne des Wortes – Lust auf mehr. Dieses Mehr gibt es jetzt in Form des direkt an den Vorgänger anknüpfenden Sequels. «Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste» heißt das gute Stück, stammt vom selben Regisseur wie Teil eins und fügt sich doch nicht nahtlos in die bisherigen Franchise-Bruchstücke. Wenngleich es heutzutage nur noch wenigen Filmen gelingt, das Publikum tatsächlich zu überraschen, sind jene Überraschungsmomente nicht immer von Vorteil für den Zuschauer. «Maze Runner 2» reißt den Zuschauer in Gänze aus seiner in Teil eins noch so genrekonform aufgebauten – wenn auch durch und durch gelungenen – Komfortzone und konfrontiert ihn mit einem waschechten Zombieadventure. Das war der FSK glatt zu riskant, sodass diese den Film lediglich in einer gekürzten Fassung (ab 12) in die deutschen Lichtspielhäuser entlässt. Ein echtes Novum im internationalen Jugendfantasykino. An der Qualität könnte dies bisweilen tatsächlich etwas verändern, denn die Schwächen, die «Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste» aufweist, rühren nicht von der technischen Aufmachung her. Wes Ball respektive seinem Kameramann Gyula Pados («Million Dollar Arm») gelingen blockbustertaugliche Bilder auf höchstem Niveau, wodurch sich «The Scorch Trials», so der Originaltitel, hauptsächlich auf seine visuellen Vorzüge verlassen kann. Wenn jene durch den nachträglichen Schnitt nun aus der Form gerissen werden, könnte das zu weiteren Abzügen führen, denn der eigentliche Übeltäter ist hier das Skript. Aber der Reihe nach…

Nach dem Entkommen aus dem Labyrinth sind Thomas (Dylan O’Brien) und seine Mitstreiter noch immer nicht in Sicherheit. Stattdessen wartet eine neue Herausforderung auf sie: Betrogen von der geheimnisvollen Organisation WCKD, dank derer sie überhaupt erst in dem steinernen Irrgarten gefangen gehalten wurden, landen sie in der Brandwüste, einer trostlosen Landschaft, in der sie sich erneut unglaublichen Gefahren stellen müssen. Die Gruppe um Thomas verbündet sich mit Widerstandskämpfern, auf die sie treffen, um die schockierenden Pläne der mächtigen Institution WCKD zu enthüllen und das Rätsel, um die Brandwüste und warum sie hier sind zu lösen. Doch das ist erst der Anfang…

«Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste» hat ein Problem, das sich insbesondere im Storytelling, aber auch in der nach Teil eins weiter voranschreitenden Charakterzeichnung wiederfindet. «Die Auserwählten im Labyrinth» hat mit seiner für das Genre vielseitigen, aber auch tiefgründigen Formung von Figuren und Szenerien eine gute Basis für ein langlebiges Franchise geschaffen. Mit Thomas involvierte man im vergangenen Jahr einen typischen „Jedermann“, mit dem sich im positiven Sinne ein jeder Zuschauer halbwegs identifizieren konnte, der aber zugleich eigene Spleens und Eigenheiten vorweisen konnte und mit seiner Art, seine Vergangenheit zu rekonstruieren, durchaus auf Ablehnung stieß. Thomas ist ein Protagonist mit Ecken und Kanten, der viel tun durfte, ohne es sich mit dem Zuschauer zu versauen. Mit Ausnahme der einzig relevanten Frauenfigur Teresa (Kaya Scodelario) ließ das Drehbuch die Nebencharaktere zwar weitestgehend außen vor, doch für den Hauptkonflikt der «Maze Runner»-Reihe ist dies kaum von Relevanz.

Wes Ball hat also ein gutes Grundgerüst, das er für seine Fortsetzung nun zwar nicht vollkommen außer Acht lässt, es aber zugleich nicht schafft, angemessen darauf zurückzugreifen. «Die Auserwählten in der Brandwüste» fällt das schwierige Los des Übergangsteils zu. Während Teil eins die Welt etabliert und Teil drei schließlich das Finale feiert, hat der zweite Teil immer das Problem, weder mit einer angemessenen Einleitung, noch mit einem „echten“ Höhepunkt gesegnet zu sein. Die «Panem»-Reihe umging diese Tatsache, indem sie den emotionalen Schwerpunkt in jedem Film anders setzte. Das versucht man in «Maze Runner» zwar auch, konzentriert sich dabei allerdings lediglich auf die Dynamik in der Inszenierung, einhergehend mit dem Setting an sich. Vom beengten Inneren der Labyrinth-Lichtung geht es in eine apokalyptische Wüste. Der Tonfall ist nicht mehr resigniert-grübelnd mit dem Schwerpunkt auf die geistige Arbeit, stattdessen wird von A nach B gelaufen und gegen zombieartige Wesen gekämpft. Die Effekte sind an dieser Stelle herausragend. Auch die Action befindet sich auf höchstem Genrestandard. Doch eine emotionale Zuschauerinvolvierung findet nicht statt. Kurzum: Was auf der Leinwand passiert, bleibt dem Publikum in Gänze fern, solange er sich nicht auf jene Charakterzüge zurückbesinnt, die im ersten Teil bereits etabliert wurden.

Durch die reichlich kantige Dynamik schaut sich «Maze Runner 2» nicht rund. Es folgen Actionsequenzen auf dramaturgischen Unterbau – direkt zusammen führt beides aber nie. «Die Auserwählten in der Brandwüste» ist ein Sammelsurium gelungener Einzelszenen. Wenn etwa Thomas und seine Freunde auf einer ihrer Stationen in einer Art obskurem Nachtclub landen, nimmt das «Maze Runner»-Franchise herausragend-erwachsene Züge an. Doch solche Momente behalten den Beigeschmack des Stückwerks, denn so großartig solche Szenerien auch inszeniert sind, so sehr fällt der Rest doch dagegen ab. «Die Auserwählten in der Brandwüste» ist handwerklich auf keiner Ebene missglückt. Der Film sieht toll aus, dem Score von John Paesano («When the Game Stands Tall») mangelt es zwar an Wiedererkennungswert, nicht aber an Intensität und die Darsteller erfüllen alle den soliden Zweck der heranwachsenden Helden. Doch hatte man «Die Auserwählten im Labyrinth» das spannende Ausgangsszenario mit der unvorhersehbaren Prämisse, bleibt Teil zwei dramaturgischer Durchschnitt mit einer Allerwelts-Dystopie. Damit hat das Franchise selbstverständlich noch immer die Chance, es dem Publikum mit dem dritten Teil noch einmal zu beweisen. Denn dafür ist das hier eben noch nicht das Finale.

Fazit: «Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste» ist visuell spektakulärer als sein Vorgänger, schafft es auf inhaltlicher Ebene aber bei Weitem nicht, an die Stärken des Franchise-Auftakts anzuknüpfen.

«Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste» ist ab dem 24. September bundesweit in den Kinos zu sehen.

Diese Kritik basiert auf der Sichtung der ungekürzten FSK-16-Fassung.

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