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Vom Sänger zum Serienschöpfer: Chuck Lorre

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Ohne diesen Mann hätte das Fernsehpublikum einige Lacher weniger ausgestoßen. Ein Überblick über die erfolgreiche Karriere des Autoren & Produzenten Chuck Lorre.

Zur Person Chuck Lorre

  • Geburtsname: Charles Michael Levine
  • Geburtstag: 18. Oktober 1952 (61)
  • Geburtsort: Bethpage, Long Island, New York (USA)
  • Nationalität: US-Amerikaner
  • Im Geschäft seit: 1984
  • Homepage: Chuck Lorre.com
Schon einmal den Namen Charles Michael Levine gehört? Nein? Nicht schlimm, denn Levine gelangte erst zu Bekanntheit, als er mit 26 Jahren seinen Nachnamen in „Lorre“ änderte und seinen Spitznamen durch seinen Vornamen ersetzte: Von nun an trat er als Chuck Lorre in Erscheinung, seines Zeichens Schöpfer zahlreicher, erfolgreicher Sitcoms wie «Dharma & Greg», «Two and a Half Men» oder «The Big Bang Theory».

Dabei fing seine Karriere zwar als Künstler an, jedoch nicht im Fernsehfach. Anfangs tourte er noch als Gitarrist und Sänger durch die Staaten und schrieb mehrere hundert Popsongs (das einzige erfolgreiche Lied davon war Deborah Harrys Top-40-Hit "French Kissin' in the USA“). Nach über einem Jahrzehnt, in dem er durch die USA zog, entschied er sich, seine Aufmerksamkeit dem Fernsehen zu schenken. Lorre begann Drehbücher für Animationsserien von DC und Marvel zu schreiben, nebenbei produzierte er den Soundtrack für Trickformate wie «Teenage Mutant Ninja Turtles».

Ein auf gut Glück geschriebenes Primetime-Skript verschaffte ihm ein freiberufliches Engagement bei der Comedy-Serie «Charles in Charge». Dank diesem Job heuerte man ihn für die NBC-Sitcom «Ein Vater zuviel» an. Der große Durchbruch des Chuck Lorre kam 1991, mit nun schon fast 40 Jahren. Dort wurde er zum Supervising Producer beim Comedy-Hit «Roseanne» von ABC befördert. Lorre hatte großen Anteil daran, dass «Roseanne» in den nächsten zwei Staffeln auf den Zenit seines Erfolges kam, bei Kritikern und dem Fernsehpublikum. Schon bald wurde Lorre zum Co-Executive Producer ernannt.

Lorres erste Show als Schöpfer war «Grace Under Fire» mit Brett Butler, die 1993 auf ABC debütierte und eine Nominierung bei den 52. Golden Globes einheimste, als Kandidat für die „beste Fernsehserie – Musical oder Comedy“. «Cybill» mit Cybill Shepherd stellte sein nächstes Werk dar und lief vier Staffeln lang auf CBS. In dieser Zeit gewann die Comedy einen Primetime-Emmy und zwei Golden Globes in der Kategorie „beste Fernsehserie – Musical oder Comedy“. Das nächste Projekt zählt zu den bekanntesten Lorres: «Dharma & Greg» (Foto) startete schon 1996, ein Jahr vor dem Ende von «Cybill». Die Sitcom über die zwei komplett gegensätzlichen, titelgebenden Charaktere, welche von Jenna Elfman und Thomas Gibson verkörpert wurden, gelangte zu acht Golden Globe-Nominierungen, sechs Emmy-Nominierungen und sechs Satellite Award-Nominierungen.

Von dort an schaffte es Lorre das Fernsehen zu dominieren, nur dadurch, dass er die Multi-Camera-Comedy allein am Leben hielt. Er schuf zahlreiche TV-Hits mit riesigen Fangemeinden und brach etliche Rekorde mit seiner Produktion «Two and a Half Men», deren Verkaufszahlen die bis dahin am schnellsten wachsenden in der Geschichte der Content-Syndication waren. Während der TV-Saison 2007/2008 übertrafen die Zuschauerzahlen von Wiederholungen der Sitcom mit Charlie Sheen sogar das Publikum der neuen Folgen fast aller anderen Comedy-Shows. Ein unschönes Ende der Sheen-Ära erlebte insbesondere Lorre, der die Produktion wegen einiger Vorfälle Sheens, induziert durch seinen schweren Drogen- und Alkoholmissbrauch, abbrechen musste und von seinem Hauptdarsteller auch noch in einem berüchtigten Radio-Interview beleidigt wurde. Eine Lösung für das Problem des fehlenden Protagonisten fand Lorre bekanntlich in Ashton Kutcher, der ab Staffel neun in Erscheinung trat.

«The Big Bang Theory» (Foto) stellte seine fünfte Serie dar, welche ihre Premiere 2007 bei CBS feierte, woraufhin sie «Two and a Half Men» als meistgesehene Sitcom in den USA ablöste. Auch in Deutschland stellt die Show um die chaotische Physiker-Clique das Aushängeschild von ProSieben dar und erfreut sich außerordentlich großer Beliebtheit. Neben «Two and a Half Men» und «The Big Bang Theory» zeigt ProSieben auch die zweitneuste Lorre-Produktion, «Mike & Molly», deren jüngere Programmierungen auf der roten Sieben zusehends schwächeln, nachdem die Show anfangs zufriedenstellend lief. Auch in den USA gab die schwergewichtige Sitcom in der dritten Staffel deutlich ab, ab November wird dennoch die vierte Season zu sehen sein. «Mom» mit «Scary Movie»-Star Anna Faris in der Hauptrolle legte 2013 einen Fehlstart hin, fing sich quotentechnisch aber nach weiteren Ausstrahlungen und wurde von CBS für eine volle Staffel verlängert. Alle vier zuvor genannten Lorre-Shows sind in den USA aktuell bei CBS zu sehen.

Seine Serien sind von den Thematiken her zwar sehr unterschiedlich, trotzdem erkennt man eine Show, die von Chuck Lorre verantwortet wurde, wenn man genau hinsieht – und zwar am Ende einer Episode. Das Markenzeichen Lorres sind seine sogenannten 'Vanity Cards'. Diese sind mal kürzere, mal längere Darstellungen von Lorres Gedanken, meist in Form eines Essays oder Beobachtungen über das Leben. Sie erscheinen für einen kurzen Moment am Ende jeder Folge einer Lorre-Serie. Oft drückt Lorre damit seine Verachtung gegen kriegerische Aktivitäten oder seine Zuneigung gegenüber Präsident Obama aus – am 16. Oktober 2012 veröffentlichte der Autor sogar ein Buch mit einer Zusammenstellung aller 'Vanity Cards', die er seit der ersten «Dharma & Greg»-Episode verwendete.

Neben den beachtlichen vier BMI Television Music Awards-Trophäen für «Two and a Half Men» und zahlreichen Primetime Emmy- und Golden Globe-Nominierungen und Awards zur Ehrung seiner anderen Serien, kann Lorre als persönliche Auszeichnungen unter anderem den NATPE Brandon Tartikoff Legacy Award für außerordentliche Leidenschaft bezüglich seiner Serien-Kreationen, den Television Showman of the Year-Award von 2009 und einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood sein Eigen nennen.

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