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«Private Practice»

von

Die US-Dramaserie kann sich ohne das Mutterformat «Grey's Anatomy» nicht mehr halten und muss sogar die Finalstaffel verkürzen.

Nach insgesamt 111 Episoden und sechs Jahren war Schluss. Das Spin-Off der amerikanischen Ärzte-Serie «Grey's Anatomy» von Producerin Shonda Rhimes wurde Anfang 2013 eingestellt. Nach anfänglich guten Quoten – auch bedingt durch den Erfolg des Originals – ist das Format am Ende angelangt und hatte für die sechste Staffel nur noch 13 Folgen produziert.

Die Dramaserie ging 2007 aus der erfolgreichen Ärzte-Serie «Grey's Anatomy» hervor, die seit 2005 von den ABC Studios und der Drehbuchautorin Shonda Rhimes produziert wurde. Die in Chicago geborene Autorin, Regisseurin und Producerin schrieb 1998 ihr erstes Drehbuch zum Film «Blossoms & Veils» und vier Jahre später die Drehbücher zu «Plötzlich Prinzessin 2» und «Not a Girl» mit Britney Spears. Unterstützung bei der Produktion bekam Rhimes bereits bei ihrer ersten Serie «Grey's Anatomy» von Produzent Mark Gordon. Auch beim Spin-Off war Gordon wieder beteiligt. «Private Practice» dreht sich um Dr. Addison Forbes Montgomery, gespielt von Kate Walsh, die in «Grey's Anatomy» als Gynäkologin am Seattle Grace Hospital arbeitet. Nach privaten Problemen verlässt sie in der dritten Staffel das Krankenhaus – und somit auch die Mutterserie – und baut sich gemeinsam mit ihren Studienfreunden in Los Angeles die Gemeinschaftspraxis Oceanside Wellness Group auf. «Private Practice» ist geboren.

Die erste Episode der Premierenstaffel der Spin-Off-Serie wurde in den USA am 26. September 2007 auf ABC ausgestrahlt. Wie auch alle weiteren Folgen dieser Staffel lief die Serie mittwochs um 21 Uhr. 14,41 Millionen Zuschauer schalteten beim Neustart der Ärzteserie ein. Insgesamt kam die Staffel in Amerika auf durchschnittlich 10,76 Millionen Zuschauer.

In Deutschland startete das Format im Februar 2008 mittwochs um 22.15 Uhr auf ProSieben. Nach einem erfolgreichen Vorlauf von «Grey's Anatomy» mit 2,54 Millionen Zuschauern und 8,3 Prozent Marktanteil, sowie 2,17 Millionen jungen Zuschauern (16,5 Prozent) verlief die «Private Practice»-Premiere überaus erfolgreich. 1,60 Millionen Werberelevante und 16,8 Prozent Marktanteil sprechen für sich. Zu später Stunde brachte es die Serie insgesamt noch auf 1,85 Millionen Zuschauer.

Der Hauptcharakter der Serie, Dr. Addison Montgomery (Kate Walsh), hat das Liebes-Chaos in Seattle nach ihrer gescheiterten Ehe und einer katastrophalen Affäre satt. Sie flüchtet nach Los Angeles zu ihren alten Studienfreunden Naomi (Audra McDonald) und Sam (Taye Diggs). Doch auch hier muss sie feststellen, dass nicht alles so leicht und problemlos ist, wie sie es sich vorgestellt hat. Trotzdem arbeitet sie von nun an mit den beiden und anderen Ärzten, Psychiatern und Therapeuten in der Gemeinschaftspraxis Oceanside Wellness Group. In der Praxis werden oft komplizierte und brisante Medizinfälle behandelt, deren Lösungen nicht selten moralisch schwer zu entscheiden sind. Währenddessen entstehen zwischen den Ärzten tiefe Freundschaften und immer wieder kommt es zu heimlichen Liebes-Affären oder ungewöhnlichen und oft wechselnden Beziehungen. So ist die Protagonistin Addison Montgomery in Staffel 1 zunächst mit ihrem Kollegen Dr. «Pete» Wilder, der später in Staffel 2 wiederum mit Psychiaterin Dr. Violet Turner ein gemeinsames Kind hat und diese in Staffel 4 heiratet, zusammen. Anschließend führt sie eine kurze Beziehung mit SWAT-Officer Kevin Nelson und verliebt sich in Staffel 2 in einen anderen Kollegen und den Ehemann einer Patientin. In der dritten Staffel hat sie erneut eine Affäre mit ihrem Ex Mark Sloan, der im Mutterformat «Grey's Anatomy» am Seattle Grace Hospital als plastischer Chirurg arbeitet und in einem von mehreren Crossovers kurzzei-tig auch in der Spin-Off-Serie auftaucht. Außerdem entdeckt sie erneut ihre Gefühle für Pete und be-ginnt am Ende eine Affäre mit Sam, dem Exmann ihrer besten Freundin Naomi, zu dem sie im weite-ren Verlauf der Serie eine längere Beziehung mit mehreren Unterbrechungen hat. Die Geschichte um Addisons Kinderwunsch zieht sich durch alle Staffeln der Serie. Da sie jedoch unfruchtbar ist und selbst keine Kinder bekommen kann, adoptiert sie in Staffel 5 den kleinen Henry. In der Premierenstaffel heiratet Addison ihren Kollegen Dr. Jake Reilly und kümmert sich gemeinsam mit ihm um ihren adoptierten Sohn.

Durch ungeahnte Krankheits- und Todesfälle und andere spektakuläre Ereignisse rechtfertigt «Private Practice» seine Bezeichnung als "Dramaserie". So wird Violet in Staffel 2 von ihrer psychisch kranken Patientin Katie Kent, die kurz zuvor ihr Kind verloren hat, das ungeborene Baby bei einem gewaltsamen Kaiserschnitt aus dem Leib geschnitten. Mit diesem dramatischen Überfall endet die zweite Staffel. Ebenso schließen auch alle anderen Staffeln mit einem Ereignis, dessen Ausgang ungewiss bleibt oder mit einem unerwarteten Todesfall. Am Ende der dritten Staffel stirbt der Auszubildende Dell nach einem Verkehrsunfall auf dem OP-Tisch von Amelia und Staffel 5 endet mit dem Tod von Coopers Exfreundin, die auch die Mutter seines Sohnes ist, den Cooper und Charlotte nun bei sich aufnehmen. Im Verlauf der sechs Staffeln kreuzen sich die Handlungen der Serie auch immer wieder mit dem Mut-ter-Format «Grey's Anatomy».

Die Hauptrollen besetzen Kate Walsh (Dr. Addison Adriane Forbes Montgomery), Taye Diggs (Dr. Samuel "Sam" Bennett), der auch schon in Serien wie «Will & Grace» oder «Kevin Hill» spielte, Amy Brenneman (Psychiaterin Dr. Violet Marianne Turner), Paul Adelstein (Kinderarzt Dr. Cooper Freedman), KaDee Strickland (Dr. Charlotte King) und Timothy Daly (Dr. Peter "Pete" Wilder). Zudem lassen sich Audra McDonald, die Dr. Naomi Bennett spielt sowie Brian Benben als Psychiater Dr. Sheldon Wallace, Caterina Scorsone als Neurochirurgin Dr. Amelia Shepherd und Benjamin Bratt («Miss Undercover» 2000; «Catwoman» 2004) als Dr. Jake Reilly zur Hauptbesetzung zählen.

Die Idee zu den Ärzteserien kam Drehbuchautorin und Producerin Shonda Rhimes als sie selbst im Krankenhaus lag. «Grey's Anatomy» sollte zunächst nur als Überbrückung zwischen zwei Staffeln von «Boston Legal» dienen, doch nach dem großen Erfolg nahm ABC die Serie ins damals aktuelle Line-Up auf. Rhimes dritte Serie «Off the Map», die 2011 startete und ebenfalls über das Leben und Wirken von Ärzten erzählt, knüpfte jedoch nicht an die Erfolge von «Grey's Anatomy» und «Private Practice» an.

Die zweite «Private Practice»-Staffel schaffte in Deutschland einen durchschnittlichen Marktanteil von 11,3 Prozent bei 1,28 Millionen werberelevanten Zuschauern und insgesamt 5,6 Prozent bei 1,52 Millionen Zuschauern. In Amerika begeisterte das Format durchschnittlich noch 9,20 Millionen Fans.

Die dritte Staffel von «Private Practice» wurde in Deutschland in zwei Blöcken zwischen April und Juni sowie Juli und September 2010 um 21.15 Uhr auf ProSieben mit meist guten Quoten ausgestrahlt. Die gesamte Staffel III erreichte beim Gesamtpublikum einen durchschnittlichen Marktanteil von 6,2 Pro-zent bei 1,76 Millionen Zuschauern. Bei den 14- bis 49-Jährigen schalteten durchschnittlich 12,8 Prozent ein (1,52 Millionen Zuschauer). Dies lag aber auch am Push der Mutter-Serie, die direkt davor lief und meist ein starkes Lead-In bot. Im Vergleich zu Staffel zwei, die auf dem gleichen Sendeplatz zu sehen war, konnte sich «Private Practice» deutlich steigern. Im Schnitt schalteten mehr Zuschauer ein als noch im Jahr 2009 und auch die Marktanteile lagen höher. In den USA zog es bei Staffel Nummer 3 im Durchschnitt 9,15 Millionen Interessierte vor den Fernseher.

Mit der vierten Staffel der Serie konnte ProSieben trotz der Quotenrückgänge nach dem erfolgreichen Anlauf der Serie wieder richtig punkten. Nach 22 Folgen bei durchschnittlich 1,66 Millionen Zuschauern holte der Sender mit 12,3 Prozent Marktanteil in der wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen einen guten Wert über dem Senderschnitt. Allerdings kam das Format nie an die Quoten des Lead-Ins «Grey‘s Anatomy» heran. Das Mutterformat brachte es zur gleichen Zeit mit der bereits siebten Staffel in Deutschland auf einen durchschnittlichen Marktanteil von 14,1 Prozent in der Zielgruppe.

Noch um einiges schlechter liefen dann die Staffeln 5 und 6 im deutschen TV. Die fünfte Staffel schaffte es gerade einmal noch auf 1,31 Millionen und 4,6 Prozent beim Gesamtpublikum sowie auf 1,07 Millionen (9,7 Prozent) bei den Werberelevanten. Die Finalstaffel der Dramaserie wurde dann nach Durchschnittswerten von 9,3 Prozent bei 1,14 Millionen bei den 14-49 Jährigen und 4,5 Prozent (1,40 Millionen) bei allen Zuschauern bereits nach 13 (anstatt den üblichen 22) Episoden eingestellt. Auch in den USA lief es nicht viel besser: Im Durchschnitt sahen 8,80 Millionen Zuschauer die fünfte und 7,03 Millionen Zuschauer die sechste Staffel der Serie. Das Serienfinale strahlte ABC am 22. Januar 2013 aus.

Die Hauptdarstellerin der Serie, Kate Walsh, bestätigte bereits im Juni 2012 in der amerikanischen Talkshow «Bethenny» ihren Ausstieg aus der Serie. Die «Private Practice»-Macherin Shonda Rhimes wünscht sich laut "The Hollywood Reporter" die zwei Darstellerinnen Kate Walsh und Caterina Scorsone in das Mutter-Format «Grey's Anatomy» zurück. Andere Darsteller hingegen haben mittlerweile neue TV-Serien gefunden. So spielt KaDee Strickland in dem Thrillerpiloten «Bloodline» und Audra McDonald im Dramapiloten «The Ordained».

Erfinderin und Executive Producer Shonda Rhimes postete auf Twitter über das Ende der Arzt-Serie: Es gab sehr viele Diskussionen und Debatten, schließlich haben sich die Verantwortlichen des Senders, des Produktionsstudios und ich aber dafür entschieden, dass die Serie an ihrer Ziellinie angekommen ist.

Durch diesen Twitter-Post der Autorin im Oktober 2012 wurde bekannt, dass ABC die Produktion des «Grey's Anatomy»-Ablegers nach insgesamt sechs Staffeln einstellt. Anfangs war überlegt worden, die Serie ohne die Hauptdarstellerin Kate Walsh, die ihren Ausstieg nach der sechsten Staffel bereits verkündet hatte, weiterzuführen. Jedoch konnten die damaligen Einschaltquoten den US-amerikanischen Sender nicht von einer Verlängerung der Serie überzeugen. Zwar kam das Format anfangs und mit Unterstützung des Originals auf recht gute Quoten, punktete aber ohne diesen Push nicht wirklich.

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