Die Kino-Kritiker

«Réstistance – Widerstand»: Clown und Kriegsheld

von

Jesse Eisenberg («The Social Network») verkörpert den Pantomime Marcel Marceau, dessen Vorbilder Charlie Chaplin und Buster Keaton waren.

Marcel Marceau (1923 – 2007) war und ist immer noch der weltberühmteste Pantomime der Welt. Der Mann, der es verstand, sein Publikum ohne Wort zum Lachen und Nachdenken zu bringen, hatte jedoch eine tragische Jugend. In Straßburg als Sohn eines jüdischen Metzgers geboren, ging er gern ins Kino, um sich Stummfilme mit Charlie Chaplin und Buster Keaton anzusehen. Er wollte ihnen nacheifern, Schauspieler werden, doch der Eroberungsfeldzug der Nazis veränderte auch sein Leben. Er musste mit seiner Familie fliehen, der Vater wurde gefasst und in Ausschwitz ermordet. Marcel selbst schloss sich der Widerstandsbewegung an, kämpfte mit der Waffe gegen die Deutschen und half dabei, jüdische Kinder in die Schweiz zu retten. Erst nach dem die Nazis besiegt waren, konnte sich der Kriegsheld wieder seinem eigentlichen Berufswunsch widmen und stand fortan als Clown auf der Bühne und vor der Kamera. Sein bewegtes Leben wurde nun verfilmt, allerdings beleuchtet Regisseur Jonathan Jakubowicz («Hands of Stone») nur die Jahre, in denen Marceau ein Mitglied der Résistance war. Herausgekommen ist ein größtenteils beeindruckendes Historiendrama, das uns den tragikomischen Pantomimen sehr viel näherbringt.

Im Angesicht des Todes
Sein Vater Charles (Karl Markovics) verlacht ihn, als Marcel (Jesse Eisenberg) ihm erzählt, dass er lieber auf die Bretter will, die die Welt bedeuten als in Straßburg irgendwann den Metzgerladen zu übernehmen. Er tritt heimlich in Cabarets auf, bis ihn sein Bruder Alain (Félix Moati) und sein Cousin Georges (Géza Röhrig) bitten, auf eine Schar jüdischer Kinder aufzupassen, deren Eltern in Deutschland ermordet wurden. Als die Wehrmacht 1940 in Frankreich einfällt, müssen die Kinder in den Süden des Landes in Sicherheit gebracht werden. Dabei lernt Marcel die Aktivistin Emma (Clémence Poésy) kennen und verliebt sich in sie. Aber nicht nur ihretwegen schließt er sich der Résistance an. Es geht um das Leben selbst. Doch selbst in Lyon sind sie irgendwann nicht mehr sicher, denn der berüchtigte SS-Offizier Klaus Barbie (Matthias Schweighöfer) setzt alles in Bewegung, den Widerstand der Franzosen zu brechen. Noch einmal müssen Marcel und seine Mitstreiter die verfolgten Kinder vor dem sicheren Tod retten. Doch der Weg in die Schweiz führt über die beschwerlichen Alpen.

Mitgefühl und Menschlichkeit
Es sind berührende Szenen, wenn Jesse Eisenberg in seiner Rolle als Marcel Marceau anfangs eher hilflos vor traumatisierten Kindern steht und ihnen mit seinen Pantomimenspielen ein freudvolles Lächeln in die Gesichter zaubert. Hier wird einem bewusst, welche Größe hinter Marcel Marceau, der eigentlich als Marcel Mangel geboren wurde, gesteckt hat. Anfangs wird er als ein egoistischer Bursche eingeführt, der sich nur um sich selbst dreht. Es sind schließlich die äußeren Umstände, durch die er Mitgefühl und Menschlichkeit findet, und das Publikum wird Zeuge dieses charakterlichen Wandels. Die Reise zur Ritterlichkeit war von jeher schon ein dankbares Sujet für jeden Film, der gleichsam emotionales Drama und spektakuläres Epos sein will. Regisseur Jonathan Jakubowicz versteht es sehr wohl, die richtigen Knöpfe zu drücken, um beim Publikum die gewünschten Reaktionen auszulösen. Man bangt, lacht und weint - jedoch ohne, dass es sich trivial oder manipuliert anfühlt. Man ist die ganze Zeit fest mit den Charakteren verankert, was sicherlich dem talentierten Hauptdarsteller zu verdanken ist, der schon Facebook-Erfinder Mark Zuckerberg («The Social Network») und Superman-Gegenspieler Lex Luthor («Justice League») porträtierte und es genau versteht, Tragik und Komik auszubalancieren.



Kriegsaktion mit historischen Fakten
Dramaturgisch gesehen braucht ein Protagonist stets einen ebenso starken Antagonist - und diese Rolle fällt in diesem Fall Matthias Schweighöfer («Hot Dog») zu, der schon länger bemüht ist, nicht nur mit leichten Komödien in Verbindung gebracht zu werden, weshalb er bei «Résistance – Widerstand» auch als Produzent agierte. Klaus Barbie (1913 – 1991), der von den Franzosen wegen seiner Grausamkeiten auch als ‚Schlächter von Lyon‘ bezeichnet wurde, spielt Schweighöfer als klassischen Oberschurken, um ihn unberechenbar und gefährlich wirken zu lassen. Das mag manchen oft zu schemenhaft und überzogen vorkommen, passt aber zur Umsetzung des Films, der sich nicht nur vor Marcel Marceau zu verbeugen versucht, sondern auch großes Kino sein will. Dafür wurden etliche kriegerische Actionszenen inszeniert, die die Geschichte zwar nicht wirklich bereichern, aber visuell einiges hermachen. Das vermittelt einem schon den Eindruck eines im Zweiten Weltkrieg angesiedelten Epos, und wenn dann auch noch Ed Harris («Run All Night») als US-General Patton auftaucht, fühlt man sich gar an filmhistorisch bedeutende Kriegsklassiker wie eben «Patton – Rebell in Uniform» (1970) oder «Der längste Tag» (1962) erinnert. Aber es ist wahr: Weil er die englische Sprache gut beherrschte, wurde Marceau tatsächlich als Verbindungsoffizier zur 3. US-Armee unter Patton eingesetzt. Insofern hält sich «Résistance – Widerstand» im Großen und Ganzen an historische Fakten, auch wenn hin und wieder das Actiongetöse überspannt wird. Aber wie bereits angedeutet: Seine größten Momente hat der Film immer dann, wenn er seiner Hauptfigur ganz nah ist - mimische Momente, in denen Ruhe herrscht.

Fazit: Aufwendiges Kriegsdrama, dass sich vor Marcel Marceau verbeugen will, der vor seiner Karriere als weltberühmtester Pantomime als Kriegsheld verdient gemacht hat. Große Emotionen und viel Kriegsaction, die jedoch oft fehl am Platz ist.

«Réstistance – Widerstand» ist im Kino zu sehen.

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